Frank Potthast
 

WKD

(Wollen - Können - Dürfen)

 

Wer hat sich z.B. als Kind nicht ein ganz besonderes Fahrrad gewünscht und sich ausgemalt so zu sein wie ein Stuntman oder anderes Idol. Wenn das Fahrrad dann da war, hat man zwar nicht die gefährlichen Kunststücke oder die rasanten Rennen 1:1 nachstellen können, aber in der eigenen Vorstellungskraft war auch der Sprung von der Bordsteinkante wie der Sprung von einer hohen Rampe. Es interessierte nicht, dass das Fahrrad technisch niemals in der Lage wäre solch einen Sprung von einer Rampe unbeschadet zu überstehen, geschweige denn, dass man über die notwendige Ausbildung, Ausrüstung oder Erfahrung dafür verfügt. Als Kind konnte man Vorstellung und Realität noch ineinanderfließen lassen. Als Erwachsener wechseln wir dabei sehr oft vom Bereich der kindlichen Vorstellungskraft in den Bereich des Wunschdenkens. Wunschdenken steht dabei für das Ausgestalten von Überzeugungen aufgrund angenehmer Vorstellungen, statt aufgrund von Beweisen, Vernunft oder Realität. Das Ganze entsteht beim Lösen von Konflikten zwischen Überzeugungen und Wünschen. Oft ist das Wunschdenken über Eigenschaften von Neuerungen deutlich größer als die tatsächlich realisierbaren Möglichkeiten. Allzu oft trifft man auch auf ein stark ausgeprägtes Wunschdenken bei Vertretern aller Ebenen der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben in Bezug auf die „Einsatzmöglichkeiten“ unbemannter Luftfahrtsysteme. Diese Vorstellungen werden dann auf alle technischen Stufen und Möglichkeiten dieser Systeme transferiert, gänzlich unabhängig von Beweisen der Einsatzfähigkeit, Vernunft, Sicherheit oder Realität. Diese hoffnungsvolle Vorstellung von etwas Aktuellem oder Zukünftigem ist zumeist unkritisch, wenn dieses Wunschdenken bleibt. Kritisch wird es erst, wenn die realen Gegebenheiten ignoriert oder verdreht und dabei oftmals auf unrealistische, nur den eigenen Wünschen entsprechende Annahmen und Vorstellungen eingegrenzt werden.

Die in der Grafik abgebildete Sphäre stellt das Verhältnis zwischen dem Wunschdenken (Wollen), dem theoretisch Möglichen (Können) und der Realität (Dürfen) dar.

So befinden sich im Bereich „Wollen“ die Faktoren, die eine Kettenreaktion auslösen

● Wunschdenken

● Werbeversprechen

● Erfüllung von Forderungen Dritter

● Unerfahrenheit

● Unverständnis

● Ehrgeiz

Das Wunschdenken zum Einsatz unbemannter Luftfahrtsysteme beinhaltet viele Einsatzszenarien und Ergebniserwartungen der Einsatzkräfte, der Einsatzleitung oder dem Führungsstab an das, was zur Verfügung stehen wird. Begünstigt durch äußerst aktive und breit gefächerte PR- und Marketingaktionen der Hersteller und Händler, entstehen dabei Bedürfnisse. Das teilweise gezielt mit der filmischen und marketingtechnischen Trickkiste auf Zielgruppen eingewirkt wird, um dort einen neuen Absatzmarkt zu generieren, verfehlt selten seine Wirkung. Und das Ganze im Wissen darum, dass die Systeme nur bedingt den eigentlichen Anforderungen der Zielgruppe entsprechen. Dabei wird verkaufstechnisch geschickt mit der Unerfahrenheit, dem Ehrgeiz und der Eitelkeit von Akteuren in Führungspositionen „gespielt“, da diese sich entweder profilieren möchten oder unter dem Druck der Erfüllung von Forderungen aus dem Wunschdenken übergeordneter, aber auch nachgeordneter Stellen stehen. Da wird schon einmal ein Auge zugedrückt bei der Beurteilung der rechtlichen Situation oder der technischen Eignung, wenn man seinen Standpunkt darstellt.

Im Bereich „Können“ haben sich die Anwender bereits vom Wunschdenken losgelöst und beurteilen die Situation schon etwas anders. Dabei spielen gewisse Faktoren, die eine gewisse Distanz zum "Dürfen" erzeugen, aber auch weiterhin eine Rolle. Diese sind

● technisch

● rechtlich

● Ausbildung

● Erfahrung

Zwar kennen die Anwender inzwischen, auf Grund einer Ausbildung und der gesammelten Erfahrungen, einen Bezug zum realistischen Einsatz unbemannter Rettungssysteme, wie z.B. UAV, lassen sich aber durch gewisse Human Factors und deren Segmenteigenschaften (siehe Grafik) noch beeinflussen und gleiten dennoch noch oft in die Randzone zum Wunschdenken. So stellen diese Stellen Szenarien und Einsatzmöglichkeiten dar, die mit der aktuell verfügbaren Technik nur unter günstigen Bedingungen machbar sind. Dass diese Bedingungen aber nur der unterste Bereich der notwendigen technischen Anforderungen darstellen, wird wie der Sprung als Kind mit dem Fahrrad von der Bordsteinkante, unbewusst anders dargestellt.

Der Bereich „Dürfen“ engt die Technik auf konkrete Bereiche und Fakten ein, die kein Wunschdenken oder ein Abweichen von der Realität erlauben. Dort herrschen nur die Fakten, ob der Einsatz

● technisch

● rechtlich

ausgeführt werden darf.

Die EGRED, sowie der „Ratgeber für den Einsatz von UAV bei den Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben“ geben für den Bereich „Dürfen“ bereits mögliche operativ-taktisch und rechtlich sichere Richtungen an.

Damit diese aber auch anerkannt und umgesetzt werden, müsste durch eine Richtlinie oder Dienstvorschrift für den Einsatz von Drohnen bei den Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben diese Inhalte klar definiert und festgelegt werden. Nur so lässt sich dauerhaft und nachhaltig der Bereich des „Wollen“ verlassen. Denn aktuell befinden sich noch sehr viele Anwender und Berater genau in diesem Bereich. 

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