Frank Potthast
 

Einrichtung und Kennzeichnung von Start- und Landeplätzen unbemannter Luftfahrtgeräte (Drohnen)

Wie so Vieles im Bereich der unbemannten Luftfahrt unterliegen auch die Einrichtung, der Betrieb als auch die Kennzeichnung von Start- und Landeplätzen unbemannter Luftfahrtgeräte (Drohnen) dem föderalen Recht. Somit bewertet und regelt dieses jede zuständige Luftfahrtbehörde für ihren Zuständigkeitsbereich selbstständig. Die dazu teilweise veröffentlichten und im Internet vereinzelt verfügbaren Festlegungen reichen von, dass es ausreicht eine gerätespezifische geeignete Start- und Landestelle einzurichten und abzusichern bis hin zur geeigneten Auswahl eines Start-/Landeplatzes, sowie dass der Fernpilot die Anforderungen an einen Start- und Landeplatz für Drohnen kennt und diese im Rahmen seiner Flugvorbereitung beachtet, einschätzt und umsetzt. Dieses Merkblatt soll den am unbemannten Flugbetrieb Beteiligten helfen, dass sich jeder UAV-Teilnehmer am Luftverkehr so verhalten kann, dass Sicherheit und Ordnung im Luftverkehr gewährleistet sind und kein anderer gefährdet, geschädigt oder mehr als nach den Umständen unvermeidbar behindert oder belästigt wird. Dieses ergibt sich aus der Durchführungsverordnung (EU) 923/2012 mit der SERA.3101 „Fahrlässig oder vorsätzlich riskanter Betrieb von Luftfahrzeugen“ dort steht „Luftfahrzeuge dürfen nicht in fahrlässig oder vorsätzlich riskanter Weise so betrieben werden, dass Menschenleben oder Sachen Dritter gefährdet werden.“

Die Auswahl eines Start- und Landeplatzes für Drohnen beginnt immer mit einer Lageerkundung. Ziel muss es dabei sein einen den Anforderungen an Sicherheit und Auftragserfüllung entsprechenden Platz zu erkunden und zu finden. Es ist aus Sicherheitsgründen nicht ratsam den Drohnentrupp direkt im Bereich der anderen Einsatzfahrzeuge zu positionieren. Diese Aussage resultiert aus der direkten Gefährdung der Einsatzkräfte bei Start und Landung, aber auch aus der Beeinflussung der Sende-/Empfangsanlage der Drohne (siehe Video "Simulation der Störungen von Drohnen-Steuerungssignalen"). Eine Anbindung des ELW sollte über eine eigene Empfangsanlage für die Bilddaten erfolgen, damit sich der Drohnentrupp dezentral positionieren kann.

Zu erfüllende Mindestanforderungen:

  • ausreichende Größe der Start-/Landefläche (mind. 3x3 m, je nach Drohnentyp und Anzahl der Drohnen auch größer)
  • angemessener Absicherungsabstand (mind. 1,5 m) gegenüber Unbefugten (z.B. durch Absperrungen), ein guter Richtwert ist Windgeschwindigkeit (m/s) am Boden * 1,5 = Sicherheitsabstand zum Startlandeplatz
  • freie Flugbahn nach oben und in Windrichtung
  • Erfordernisse der Position durch die Einsatz-/Wetterlage (siehe Grafik "Risiko- und Gefährdungssektoren)
  • ggf. Zustimmung des Grundstückseigentümers erforderlich


Risiko- und Gefährdungssektoren

  • Rot = höchstes Gefahrenrisiko   
  • Gelb = mäßiges Gefahrenrisiko  
  • Grün = kein bis geringes Gefahrenrisiko


Ist ein entsprechend erkundeter Start-/Landeplatz für Drohnen festgelegt, ist er einzurichten und ausreichend zu kennzeichnen. Um der Verkehrssicherungspflicht zu genügen, ist es erforderlich den Start- und Landeplatz ausreichend zu kennzeichnen. Die ausreichende Kennzeichnung muss von Unbeteiligten ohne große Mühen erkannt und gesehen werden können.

Zur Einrichtung eines Start-/Landeplatzes für Drohnen gehört neben der ausreichenden Kennzeichnung auch die Sicherstellung des Brandschutzes und der Ersten-Hilfe (vgl. DGUV Informationen 208-058, Pkt. 9.7 Notfallorganisation, Brandschutz, Erste-Hilfe). Dazu sollten möglichst

  • ein Notfallplan mit telefonischer Erreichbarkeit / Funk der Rettungsdienste und Flugbetriebsverantwortlichen (vgl. DGUV Regel 100-001),
  • geeignete Löschmittel / -verfahren bei Brand eines Multicopters mit Li-Akkus oder mit anderen Treibstoffen, bzw. Gefahrstoffen sowie entsprechende Betriebsanweisungen und
  • Mittel und Verfahren zur Ersthilfe bei Arbeitsunfällen mit Körperschäden durch Multicopter
  • Auswahlstandort gem. Grafik

vorgehalten werden.

 1 = Fernpilot      2 = Luftraumbeobachter     3 = Luftbildauswerter


Minimale Absicherung

Optimale Absicherung

Absicherung bei mehreren Drohnensystemen

Empfohlen wird dabei

  1. für den Brandschutz möglichst ein Lithiumbrand-Set mit Löschtasche (vgl. Sicherheitshinweise zum Löschen von Lithium-Ionen-Akkus des bvfa –    Bundesverband Technischer Brandschutz e. V.) welches eine ausreichende angepasste und geeignete persönliche Schutzausrüstung enthält und
  2. für die Mittel und Verfahren der Ersten-Hilfe

     a)   das Mitführen eines 'Aushanges' in den Flugbetriebsdokumenten 

     b) das Mitführen eines kleinen Verbandkastens, nach DIN 13157 "Erste-Hilfe-Material

Der Start-/Landeplatz für Drohnen ist darüber hinaus so deutlich und erkennbar zu kennzeichnen, dass unbeteiligte Personen, aber auch die am unbemannten Flugbetrieb Beteiligten weder gefährdet, erheblich behindert werden, oder den Flugbetriebsbereich unbeabsichtigt betreten können. Als Zweckmäßig haben sich dabei

  • Warnschilder oder -aufsteller mit Piktogrammen zum unbemannten Flugbetrieb (vgl. DMFV Warnschild DROHNEN-BETRIEB dreieckig)
  • Kennzeichnungs-/Trassierband (rot-weiß oder gelb-schwarz)
  • beleuchtbare rot-weiße oder orange Leitkegel
  • orange Kennzeichnungsleuchte (leuchtet/blinkt bei Flugbetrieb)
  • ausreichen Fixier- und Befestigungsmittel

erwiesen. Diese sind in Abhängigkeit der Start-/Landeplatzgröße und der vorherrschenden als auch zu erwartenden Witterungsverhältnissen (Wind, Niederschlag, etc.) vorzuhalten und einzusetzen.

  • Rot = höchstes Gefahrenrisiko   
  • Gelb = mäßiges Gefahrenrisiko  
  • Grün = kein bis geringes Gefahrenrisiko




 Beispiel einer möglichen Kennzeichnung und Absicherung gegen unbeabsichtigtes Betreten.

Es hat sich als sehr zweckmäßig erwiesen, dass die Vorflugkontrolle mit allen Checks nicht im direkten Start- und Landebereich durchgeführt wird. Dazu sollte ein eigener Bereich im Absicherungsbereich vorgesehen werden. Gleiches gilt, sofern es beabsichtigt ist die Luftbilder auf größere Anzeigegeräte z.B. im Fahrzeug zu übertragen. Ziel muss es sein, die Anzahl der nicht direkt am unbemannten Flugbetrieb beteiligten Personen im Absicherungsbereich auf ein operatives Minimum zu beschränken. 

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