Frank Potthast
 

ROV, was bedeutet das? ROV ist die Abkürzung für Remotely Operated Vehicle, ein meist kabelgeführtes Unterwasserfahrzeug für Anwendungen in Wissenschaft, Industrie und Militär. 

Aber es gibt auch andere Einsatzfelder, die bisher nicht im Fokus der Anwender standen z.B. die Menschenrettung. In meiner bundesweiten Evaluierung im Sommer 2018, habe ich Fragen zur Anwendung von ROV bei HiOrgs (Hilfsorganisationen), die im Bereich der Wasserrettung tätig sind, durchgeführt. Gleichzeitig habe ich in verschiedenen Gewässern, wie z.B. Freizeitanlage Höxter-Godelheim oder Brühl (Baden Württemberg), die Leistungsfähigkeit eines ROV getestet. Das Ergebnis war positiv, denn das getestet System konnte nicht nur während der Fahrt mit dem Boot eine Parallelfahrt zum Ufer ausführen, sondern lieferte auch aus mehr als 14m Wassertiefe brillantes Videomaterial. Auch Versuche bei Nacht zeigten, dass ein Einsatz möglich ist, da das System durch die integrierte LED-Beleuchtung eine Sichtweite von 1-3m in 10m Wassertiefe erreichte. Als mögliche Einsatzszenarien wäre z.B. im Winter der Einsatz zur Suche unter der Eisfläche, da die Systeme Temperaturen aushalten, bei denen ein Taucher bereits Spezialkleidung benötigt und nur eine begrenzte Einsatzzeit hätte. Ebenfalls wäre der Einsatz bei der Havarie eines Schiffes vorstellbar, bei denen nicht einwandfrei ersichtlich ist, dass für Taucher keine gefährlichen Stoffe austreten oder Explosionsgefahr besteht.

Als besondere Features besitzt das ROV die Möglichkeit Sonar einzusetzen oder durch eine spezielle Halterung eine kleine Signalboje mit sich zu führen. Für die Einsatzkräfte steht ein eigenes, verschlüsseltes WLAN zur Verfügung, so dass die Suchmannschaft über konventionelle Android-Mobilgeräte sich das Kamera- und Sonarbild anzeigen lassen kann, ohne den Piloten zu behindern. Sollte einmal das Steuerungsmodul ausfallen, könnte das System im Notfall über ein Handy gesteuert und geborgen werden. Das Erlernen der Steuerung und das Handling ist nicht schwierig, erfordert aber Übung. Pflege und Wartung beschränken sich auf das Aufladen der Batterien und das säubern des ROV nach dem Einsatz. Die Aufnahmen, die während des Einsatzes gemacht wurden, sind verschlüsselt im System gespeichert, so dass nur zugelassenes Personal darauf Zugriff hat (Datenschutz).



Doch leider findet diese Technik bei allen positiven Aspekten noch nicht Fuß bei DLRG, Feuerwehr und anderen HiOrgs, die sich der Wasserrettung verschrieben haben. Dieses zeigt die Auswertung meiner Evaluierung. Lediglich 7% der befragten HiOrgs bestätigten, dass diese ein ROV im Bereich der Wasserrettung einsetzen, weitere 4% hatten darüber schon nachgedacht. Bei der Frage, ob die HiOrgs eine Unterstützung durch ein ROV begrüßen würden, bejahten dieses 73% der Befragten. Der gleiche Anteil der Befragten wünschten sich auch für die Zukunft mehr technische Unterstützung im Einsatz. 


 Underwater-Human-Electric-Field-Detector


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