Frank Potthast
 

HAZMAT

 

In der heutigen Zeit sind Gefahrstoffe in der Produktion und auf den Transportwegen nicht mehr wegzudenken. Doch wie können wir bei einem Schadenfall diesen Bereich erkunden und was sollte beachtet werden?

"Als Gefahrgut (englisch dangerous goods oder hazardous materials, abgekürzt als hazmat) bezeichnet man im Zusammenhang mit dem Transport im öffentlichen Raum Stoffe, Zubereitungen (Gemische, Gemenge, Lösungen) und Gegenstände, welche Stoffe enthalten, von denen aufgrund ihrer Natur, ihrer physikalischen oder chemischen Eigenschaften oder ihres Zustandes beim Transport bestimmte Gefahren 

 
  • für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung, insbesondere für die Allgemeinheit, wichtige Gemeingüter,
  • Leben und Gesundheit von Menschen, 
  • Tiere und Sachen

 ausgehen können und die aufgrund von Rechtsvorschriften als gefährliche Güter einzustufen sind " Quelle: www.Wikipedia.de

Als Gefahrgüter gelten viele Chemikalien, Flüssiggas, Feuerwerkskörper, Kraftstoffe, Öle, bestimmte Düngemittel und nicht eingebaute Airbags (Explosionsgefahr), Klinikabfälle (Infektionsgefahr), radioaktive Stoffe aller Art (z. B. für medizinische und technische Anwendungen), aber auch Stoffe, die in kleinen Mengen keinerlei Gefahr darstellen.

Zur Erkundung dieser Einsatzlagen eigenen sich unbemannte Systeme am besten, da diese die Risiken und die Gefährdung für die Einsatzkräfte auf ein Minimum reduzieren. Doch nicht alle Gefahren können ausgeschlossen werden, da es beim Einsatz von unbemannten Erkundern zu

  • einer Kontamination des Einsatzgerätes durch Partikel, Aerosole und Gase,
  • und/oder einer Kontaminationsverschleppung durch Anhaftungen am UAV,

kommen kann.


Detektionsverfahren

Es gibt im Bereich der Gefahrstoffmessung mittels UAV unterschiedliche Verfahren, die zur Anwendung kommen können

  1.  Schlauch
  2. Lanze
  3. Direkt
  4. Abwurf

 

Verfahren

Aufbau

Vorteil

Nachteil

1.

Sensormodul mit Ansaugpumpe

Die Probennahme erfolgt über einen 2-30 m langen, flexiblen Schlauch

Probennahme ist ohne Annäherung (<1m) an die Schadenstelle möglich

sehr hohes Risiko des Verfangens bei der Probennahme mit Absturz des UAV und weiteren Folgeereignissen

2.

Sensormodul mit Ansaugpumpe

Die Probennahme erfolgt über eine starre Lanze Auswertung mittels Prüfröhrchen

Kein Verfangen durch Schlauch


Bei Veränderung der Lanzenlänge ist ein Trimmen des UAV vor dem Einsatz notwendig (Zentrum der Nutzlast)

Auswertung erst nach dem RTB möglich

Begrenzte Möglichkeit an Prüfergebnissen/-stoffen

Risiko des Zerbrechens des Prüfröhrchens durch Vibrationen oder Kollisionen mit der Lanzenspitze an Objekten

Risiko des Absturzes/der Beschädigung des UAV durch Kollisionen mit der Lanzenspitze an Objekten


3.

Direkte Auswertung im Sensormodul durch integrierte Pumpe

Kein Risiko des Verfangens/der Kollision durch Anbauteile

Das UAV muss in die Gefahrenzone eindringen

4.

Abwurf von Sensormodulen mit eigener Datenstrecke und ggf. Repeatermodul

kein direktes Eindringen in den Gefahrenbereich

kontinuierliche Messdaten (solange Stromversorgung aktiv)


Sondergenehmigung gem. §21b

j) zum Transport von Explosivstoffen und pyrotechnischen Gegenständen, von radioaktiven Stoffen, von gefährlichen Stoffen und Gemischen gemäß § 3 der Verordnung zum Schutz vor Gefahrstoffen, von Biostoffen der Risikogruppen 2 bis 4 gemäß § 3 Absatz 1 der Biostoffverordnung sowie von Gegenständen, Flüssigkeiten oder gasförmigen Substanzen, die geeignet sind, bei Abwurf oder Freisetzung Panik, Furcht oder Schrecken bei Menschen hervorzurufen, 

Der Abwurf muss geübt werden, da verschiedene Risikofaktoren und Einflüsse zu beachten sind



ACHTUNG *** Achtung *** Achtung

ATEX-Zulassung des UAV gem.

ATEX-Produktrichtlinie 2014/34/EU und 

ATEX-Betriebsrichtlinie 1999/92/EG 

beachten


Gefahrstoffsensoren

Inzwischen gibt es verschiedene Gefahrstoffsensor-Module für Drohnen, die für diese Art von Einsätzen geeignet sind. Diese können in drei Arten unterteilt werden:

  1. internes Speichermedium: Die Messdaten werden kontinuierlich im Flug (UAV)/bei der Fahrt (UGV) auf einem internen Medium gespeichert. Die Daten können erst nach dem RTB ausgelesen werden
  2. Mobilfunk: Die Messdaten werden über 4G/LTE Mobilfunktechnik für die kontinuierliche Datenübertragung der Mess- und Alarmwerte der Geräte an einen cloudbasierten Server gesendet. Von dort können diese dann in der Sensorsoftware entsprechend ausgelesen und ausgewertet werden
  3. interne Datenstrecke: Der Sensor sendet über eine eigene verschlüsselte Datenstrecke die Messwerte kontinuierlich zur Empfangsstation, wo diese direkt ausgewertet werden können


Variante

Risiko

Vorteil

1.

Zeitverzögerte Auswertung durch Auslesen der Daten nach Einsatzflug und Dekontamination

geringes Risiko des Datenverlustes durch interne Speicherung

2.

Verlust der Daten bei schwachem bis keinem Mobilfunknetz

Bei einer Kontamination kann das UAV im gesicherten Dekon-Areal gelandet werden

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Direkte Auswertung der Daten

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Übertragung der Daten zu dezentralem Auswerteplatz

3.

Verlust der Daten bei Störungen der Datenstrecke durch Interferenzen

Bei einer Kontamination kann das UAV im gesicherten Dekon-Areal gelandet werden

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Direkte Auswertung der Daten

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Unabhängige Datenübertragung von einem bestehenden örtlichen Mobilfunknetz


Liste der verfügbaren Gefahrstoffsensoren


Kontaminationsarten bei Drohnen

Die Kontamination entsteht durch die Anhaftung von Material am System:

  • Rauch-/Konvektionspartikeln (Ruß, Asche)
  • Stäube (B-R-N belastet)
  • Aerosolen (chemische oder biologische Stoffe, z.B. Betriebsstoffe, Emulsionen)
  • Fluiden (Regen, Schnee, Sprüh- und Strahlwasser)

Diese Anhaftungen sind nicht immer sichtbar, stellen aber ein Risiko dar (vgl. FwDV500).

Als Beispiel bei den Verbrennungsvorgängen am Einsatzort entstehen Staubpartikel, die bei unzureichendem Schutz in das System eindringen können, da diese eine Partikelgröße zwischen 0,01 – 3,0 mm aufweisen. Diese Partikel haften aber auch durch statische Aufladung oder Feuchtigkeit an der Außenhaut der Drohne. Größere Partikel werden durch die Standardfilter der Drohnen aus der eingesogenen Luft gefiltert, bleiben aber dort haften.

Während eines Einsatz kommen die Systeme u.U. mit Sprühnebel, Spritzwasser, und kontaminierten Fluiden/Lösungen (Wasser-Schadstoff-Gemisch) in Berührung, die an der Oberfläche haften oder in Hohlräume oder andere Bauteile des UAV eindringen können.


Desinfektion/Dekontamination

Bei der Desinfektion/Dekontamination von UAV sollte immer, wie in der FwDV500, der vfdb-Richtlinie 10/04, der vfdb-Richtlinie 10/02 und der BG RCI B001 10/2010 für Ausrüstungen und Einsatzkräfte beschrieben Dekon-Stufen-Verfahren vorgegangen werden.

Desinfektion/Dekontamination:

  • chemische
  • physikalische 

Die in der UAV-Herstellung häufig verwendeten Bauteile sind nur bedingt geeignet bis ungeeignet für die Dekontamination mit Aerosolen.

Derzeit werden erste Verfahren und Systeme zur Dekontamination von UAV vorgestellt. Diese müssen aber noch auf Grundlage der FwDV 500/vfdb-Richtlinie 10/04 validiert und evaluiert werden.


 Bei der Dekontamination von UAS ist auf die Herstelleran- und 

-vorgaben zu achten


Mehr dazu im "Ratgeber für den Einsatz von UAS im Bevölkerungsschutz"

 


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