Frank Potthast
 
Drohnen-Workshop 2019 - Messe FLORIAN

Ehrenamtlich beschäftige ich mich mit der Erprobung des Einsatzes von Drohnen (UAS, UAV, RPAS, etc.) bei nichtpolizeilichen HiOrgs. Ich biete Unterstützung für Interessierte Einheiten und Kommunen an. Des Weiteren entwickle ich eigene Sensoren und führe Materialprüfungen durch, wie z.B. das Verhalten von Kunststoffrotoren über Brandherden oder den Interferenzstörungen von Steuerungssignalen unter Einfluss von Einsatzfunk- und WLAN-Emissionen.

Mein Buch "Drohnen bei Feuerwehr & Co." beschreibt weiterhin, was durch „falsche Sparansätze“ im kommunalen Budget, „Scheuklappendenken“ der Einsatzkräfte und Piloten, sowie Fehlinterpretation der technischen Einsatzmöglichkeiten durch hochrangige Führungskräfte passieren kann, aber auch, was durch die Anpassung der Systeme an die Bedarfe der Einsatzkräfte möglich sein könnte.

Natürlich hat jeder Mensch seine eigene Sichtweise und jeder Feuerwehrmann und jede Feuerwehrfrau kennt die „DV 3000 - Das war schon immer so, das machen wir weiter so“, aber vielleicht kann ich Sie mit dieser Darstellung der Nutzung von Drohnen durch Feuerwehr & Co. etwas empfindsamer für die Thematik „Safety First beim Einsatz von Drohnen“ machen.

Und denken Sie immer daran, jeder Einsatz hat seine eignen Umstände und Eigenschaften; es gibt keine Schablone für Einsatzabläufe. 

Auszug aus "Drohnen bei Feuerwehr & Co." (Seite 58)

"Jetzt stellen Sie sich einmal folgendes Szenario vor.

Herr Meyer technikbegeisterter und engagierter Feuermann in der Freiwilligen Feuerwehr XY. Durch Messebesuche, Medienberichte und die vielen Informationen der Herstellerseiten möchte Herr Meyer ein Drohnensystem in seiner Ortfeuerwehr einführen.

Nach dem der Ortsbrandmeister und auch der Bürgermeister überzeugt sind, kann Herr Meyer mit einem Budget von 5.000,00 € Angebote einholen, da laut seiner Expertise eine Drohne nicht mehr kosten muss und der Feuerwehretat der Stadt diesen Betrag noch rechtfertigt. Schließlich muss ja noch eine Funkgerätesatz beschafft werden, als Reserve versteht sich. Herr Meyer wird auch bald fündig bei der Marke ALPHA mit dem System „FlyApp[1]“, da dieses „gut aussieht“ und die passende Ausstattung besitzt, mit unter 5.000,00 € in das Budget passt und von der Transportgröße fast passend für den GW-Einschub ist. Somit fallen auch dort keine zusätzlichen Kosten an, wenn Kamerad Siegbert als geschickter Heimwerker das Bodenblech selbst ausschneidet und eine kleine Strebe einbaut. Die Zulassung für den Einschub wird schon nicht erlöschen.

Herr Meyer begeistert seinen Ortsbrandmeister von dem System, als auch den Kreisbrandmeister. Somit steht einer Beschaffung der Drohne „FlyApp“ nichts im Wege, welche auch direkt beim Hersteller geordert wird. Nach 6 Wochen können Herr Meyer und ein Kamerad ihre „Feuerwehrdrohne“ abholen und bekommen noch eine 1 tägige Schulung mit dem Hinweis regelmäßig zu üben. Bei den nächsten 17 Einsätzen der Drohne läuft alles, wie es der Hersteller versprochen hat und alle Kameradinnen und Kameraden sind begeistert über das neue „Helferlein“. Die Presse berichtet positiv über die Innovation und es schleicht sich langsam die Routine bei Herrn Meyer ein.

Dann kommt Einsatz Nr. 18 für die Drohne. Da bisher Einsätze wie Hochwasser, ein paar Unfälle, kleinere Kamin- und Dachstuhlbrände und ein umgestürzter Kran die Regel waren, ist es dieses Mal anders. Herr Meyer und seine Kameraden werden zu einem Gewerbegebiet gerufen, da dort die ansässige Holzhandlung im Vollbrand gemeldet wurde. Sofort beginnen alle routinemäßig mit der Brandbekämpfung. Herr Meyer wartet, bis der Einsatzleiter vor Ort ist und bringt dann seine Drohne zum Einsatz, wie bei den bisherigen Einsätzen auch schon. Er weiß, dass er alle vom Hersteller geforderten Wartungen und Kontrollen erst vorgestern durchgeführt hat und ist sich sicher, dass alles wie bisher funktioniert. Er startet seine Drohne, bringt diese in Position, um dem Einsatzleiter die Bilder zu liefern, die dieser benötigt und wartet. Alles läuft wie geplant, bis jetzt. Da Herr Meyer eine Drohne beschafft hat, die nicht den erhöhten Sicherheitsanforderungen entspricht, beginnt jetzt eine Verkettung von Auswirkungen, die ein fatales Ende haben.

Durch die entstehende starke Thermik beginnt der Wind in einer Höhe von 15m aufzufrischen. Von den 4 m/s (14 km/h) am Boden, die Herr Meyer am Boden gemessen hat, werden in 15m Höhe bereits 10 m/s (36 km/h). Herr Meyer muss auf 60m aufsteigen, um das Gesamtmaß der Brandausbreitung zu erfassen. Der Einsatzleiter ordert sofort eine Riegelstellung zum benachbarten Speditionsunternehmen mit eigener Tankstelle an.

In 60m Höhe steigt der Wind auf 15 m/s (54 km/h) an, diese Windstärke kann die marktübliche Drohne von Herrn Meyer nicht mehr ausgleichen und driftet auf dem Wind in Richtung der Rauchsäule. Außerdem bemerkt Herr Meyer Störungen seiner nicht geschirmte I²C-Steuerung, die durch die vielen 2m-, 4m- und Digitalfunkgeräte erzeugt werden, da dieses Mal viel mehr Einsatzkräfte vor Ort sind als bisher. Dadurch reagiert die Drohne nicht auf seine Lande- und Bewegungsbefehle.

Die Drohne driftet also hilflos in Richtung der Rauchsäule. Zwar driftet sie auf Grund der Windrichtung nicht direkt in das Zentrum und über die Einsatzstelle, aber trotzdem langsam in Richtung der Spedition. Dann passiert es. Die nicht gekapselten Motoren ohne ATEX Zulassung zünden zwar nicht die Rauchgase, da deren Konzentration zu niedrig ist, aber die Rauchpartikel verursachen in den Motoren einen Motorstator-Kurzschluss nach dem anderen. Außerdem verformen sich die ASA-Tiefziehteile des Gehäuses bei den Temperaturen in der Brandthermik. Hinzukommt die Belastung durch die Konvektionswärme der eingesaugten Brandpartikel, die nicht nur die Carbonröhren auf Dauer erodieren lässt, da sich das Epoxidharz stellenweise molekularverändert, sondern es steigt auch die Innen-temperatur auf ein gefährliches Maß.

Die Drohne stürzt dadurch unkontrolliert ab. Bei der Flughöhe der Drohne und deren Gesamtgewicht von 3,6 Kg erreicht diese nach ca. 45m freiem Fall eine Geschwindigkeit von ca. 106 Km/h. Dabei ent-wickelt die Drohne bei Ihrem Gewicht von 3,6 Kg einer Kraft von 378 N oder einem Gewicht 38,5 Kg entspricht.

Herr Meyer hat Glück, die Drohne fällt nicht zwischen die Einsatzfahrzeuge, wo sein Kamerad Franz als Maschinist an der Pumpe steht und die Riegelstellung betreut. Die Drohne würde Ihn wie ein Vorschlaghammer treffen und könnte, abgesehen von Prellungen und Schnittverletzungen, weitere beträchtliche Verletzungen verursachen, die sogar tödlich sein könnten. Aber er hat Glück im Unglück. Die Drohne schlägt auf dem Dach der Spedition ein, außerhalb der gefährdeten Kameraden. Was Herr Meyer aber nicht sieht, ist dass die Drohne ein Oberlicht des Gebäudes durchschlägt. Die kinetische Energie reicht aus, um 2mm-Stahlblech zu durchschlagen, so dass die erodierte 5mm-Plexiglaskuppel des Oberlichtes kein Hindernis darstellt. Der Aufschlag auf dem Fußboden wird durch eine Palette mit Kunststoffgranulat gebremst, die zusammen mit anderen zum Versand bereitsteht. Eigentlich wenig Schaden!

Aber durch den Aufprall und die scharfkantigen Bauelemente wird der Standard-LiPo-Akku, der eigentlich im Modellbau eingesetzt oder als günstige Stromversorgung an Kunden im Drohnensektor verkauft wird, beschädigt. Durch die vorhergehende Erwärmung im Betrieb und die anschließende Überhitzung durch die Konvektionswärme, entzündet sich der Akku. Dabei setzt dieser eine Temperatur von bis zu 3000°C frei und entzünden praktisch alle brennbaren Materialien im Bereich der Wärmestrahlung, auch ohne Berührung. Da keine BMZ installiert ist, bemerkt auch niemand diese Brandentstehung.

Während der Brandherd in der Spedition sich auf die Ladung und Gebäudeteile ausbreitet, meldet Herr Meyer lediglich den Absturz der Drohne. So eine Situation wurde ihm während der Ausbildung beim Hersteller nicht dargestellt, geschweige denn beigebracht darauf zu reagieren. Diesen Sachverhalt verschweigt er lieber.

Nach 2 Minuten entdeckt Herr Meyer durch reinen Zufall, durch ein Fenster der Spedition, den Brand. Sofort alarmiert er den Einsatzleiter, der nun mit zwei gefährlichen Einsatzstellen gleichzeitig zu tun hat.

 

Wer trägt die Verantwortung?

 

Herr Meyer, der Einsatzleiter, der Kreisbrandmeister, die Leitstelle oder der Hersteller sogar?

Ganz zu schweigen von dem wirtschaftlichen Schaden, der entstanden ist durch den zusätzlichen Brand und das mehr benötigte Einsatz-personal, zusätzlich zu dem Schaden im öffentlichen Ansehen.

Derartige Einsätze werden sicherlich keine positive Presse erzeugen.

Der Einsatz von Drohnen, die nur auf Grund Ihres Preises und etwaiger Versprechen beschafft werden, ohne dass diese die technischen Voraussetzungen zu 100% erfüllen, stellt für mich ein potentielles Risiko dar.

Wie Automobilhersteller, Hersteller persönlicher Schutzausrüstung oder anderer technischer Geräte im Feuerwehreinsatz benötigen wir, meiner Meinung nach, eine Zertifizierung und Überprüfung von Drohnen für den feuerwehrtechnischen Einsatzdienst."


 

[1] Fiktiver Markenname/Fiktive Systembezeichnung

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