Frank Potthast
 

Fliegen bis zur Explosion?

Der Einsatz von Drohnen in Bereichen, die zu gefährlich für die Einsatzkräfte oder den Einsatz herkömmlicher Einsatzmittel sind, wird immer häufiger als Option angesehen. Doch sollte man bei einem (potentiellen) ATEX-Szenario nicht vergessen, dass die fliegenden Einsatzunterstützungsmittel (EinsUMtl) auch Auslöser für eine Verschlimmerung der Einsatzlage sein können und dabei muss die Drohne noch nicht einmal abstürzen. Bei den ATEX-Lagen müssen zwei Parameter berücksichtigt werden, die sich auch auf die Bauform einer Drohne auswirken. Zum einen die Art des möglicherweise vorhandenen Brennstoffs (Stäube oder Gase) und die Häufigkeit oder Dauer, während der eine explosionsfähige Atmosphäre auftreten kann.

Doch bevor ich zu meinen Erläuterungen bzgl. Drohnen komme zwei drei Sätze zu ATEX. Aktuell gibt es zwei Richtlinien auf dem Gebiet des Explosionsschutzes, nämlich die ATEX-Produktrichtlinie 2014/34/EU und die ATEX-Betriebsrichtlinie 1999/92/EG. Die ATEX-Produktrichtlinie 2014/34/EU des Europäischen Parlaments und des Rates zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten für Geräte und Schutzsysteme zur bestimmungsgemäßen Verwendung in explosionsgefährdeten Bereichen legt die Regeln für das Inverkehrbringen von Produkten fest, die in explosionsgefährdeten Bereichen eingesetzt werden, sprich in diesem Fall eigentlich auch für UAS oder UAV. Denn es dürfen nur solche Geräte, Komponenten und Schutzsysteme für die Verwendung in explosionsgefährdeten Bereichen in Verkehr gebracht werden, die der ATEX-Produktrichtlinie 2014/34/EU entsprechen. Da aber eine marktübliche Drohne für den privaten oder gewerblichen Bereich nicht diesen Vorgaben entspricht, ist der Einsatz für diese Zwecke fraglich.

Weiterhin definiert die ATEX-Betriebsrichtlinie 1999/92/EG die Mindestvorschriften zur Verbesserung des Gesundheitsschutzes und der Sicherheit der Einsatzkräfte (Arbeitnehmer), die durch explosionsfähige Atmosphäre gefährdet werden können. Diese Richtlinie wurde 2002 im Rahmen der Betriebssicherheitsverordnung in deutsches Recht umgesetzt. Diese Richtlinie enthält grundlegende Sicherheitsanforderungen, die der Betreiber umzusetzen hat. 

Dazu gehören:

  • Vermeidung oder Einschränkung der Bildung explosionsfähiger Atmosphäre (primärer Explosionsschutz)
  • Vermeidung wirksamer Zündquellen (sekundärer Explosionsschutz)
  • Beschränkung der Auswirkung einer eventuellen Explosion auf ein unbedenkliches Maß (tertiärer oder konstruktiver Explosionsschutz)

Im Rahmen seiner Gefährdungsbeurteilung hat der Betreiber der technischen Anlage/des technischen Gerätes ein Explosionsschutzdokument zu erstellen und Bereiche mit gefährlicher explosionsfähiger Atmosphäre in Zonen einzuteilen.

Und genau diese Vermeidung von wirksamen Zündquellen ist der Grund für meine Bedenken des Einsatzes einer marktüblichen Drohne in den ATEX-Zonen. In Artikel 9, Abs. 2 steht:

„Nach dem 30. Juni 2003 erstmalig im Unternehmen bzw. Betrieb zur Verfügung gestellte Arbeitsmittel zur Verwendung in Bereichen, in denen explosionsfähige Atmosphären auftreten können, müssen den Anforderungen des Anhangs II Abschnitte A und B entsprechen.“

die im Zusammenhang mit dem Einsatz von UAV betrachtet werden müssen. So sind Bauteile, die als wirksame Zündquelle dienen können

  • Motor und Motorteile (durch Bauweise oder Defekte)
  • offene Steck- und Kabelverbindungen
  • ungeschützte elektronische Bauteile
  • Materialien mit dem Potential zur statischen Aufladung (z.B. Kunststoff der Propeller durch Reibung in Luft-Partikeln-Gemisch)
  • defekte oder nicht zugelassene Sendeanlage
  • nicht ATEX-zugelassene Sensoren (Kamera, etc.)

Jetzt könnte man sagen, dass trifft doch nicht auf die BOS zu, denn die sind im Bereich der Drohnen von diesen Vorschriften befreit, was aber leider nicht zu trifft.

Es ist ganz wichtig zu wissen, dass es eine ATEX-Zulassung für unbemannte Luftfahrtgeräte (Drohnen) für den Feuerwehreinsatz aktuell nicht gib. Es gibt derzeit keine Norm oder Vorschrift, nach der Drohnen für die Feuerwehr zugelassen werden könnten oder der diese entsprechen müssten. Aussagen von Herstellern wie “für BOS zugelassen” oder “auch zulässig bei FW-Brandeinsätzen” sind in diesem Zusammenhang mit Vorsicht zu genießen und beziehen sich nicht auf existierende Vorschriften. Einzige Quelle für einen möglichen Vergleich bietet die DIN 14642 (Handscheinwerfer). Dieser Vergleich beschränkt sich aber auf den Explosionsschutz. Diese DIN fordert für den dort beschriebenen Feuerwehrhandscheinwerfer eine Zulassung in Kategorie 2, Explosionsgruppe IIC und Temperaturklasse T4. Einzige hier entnehmbare Forderung wäre also die des Explosionsschutzes!


Eine einsatzfähige ATEX-Drohne müsste meiner persönlichen Meinung nach folgende Ex-Kennzeichnung aufweisen: 


G=Gas, D=Staub 


WARNHINWEIS

Lesen Sie die Gebrauchsanweisungen Ihres UAV genau durch,

bevor Sie diesen zum Einsatz bringen. Um die notwendigen

ATEX-Zusatzinformationen verstehen zu können, müssen Sie

zuerst die in der Gebrauchsanweisung des Herstellers

enthaltenen Informationen richtig verstanden haben.

(siehe Schaubild Ex-Kennzeichnung)

Fragen Sie notfalls beim Hersteller an, ob für Ihr System die

Konformität mit den aktuellen Richtlinien besteht.

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 Die Beherrschung der ATEX-Befliegungstechniken setzt eine

entsprechende Ausbildung und ein spezielles Training voraus.

Prüfen Sie zusammen mit einer ausgebildeten Einsatzkraft, ob Sie in

der Lage sind, den Vorgang alleine sicher zu wiederholen, bevor Sie

diese eigenständig durchführen.



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