Frank Potthast
 
"Good Airmanship"
Nicht nur für Profis, sondern für Alle 

Das Luftfahrtbundesamt (LBA) beschreibt auf seinen Schulungsseiten zum Erwerb des EU-Kompetenznachweis A1/A3 den Begriff des "Good Airmanship" wie folgt:

"Für das richtige Verhalten als Pilot*in gibt es in der englischen Sprache den Ausdruck “good airmanship“. Dieser Begriff kann wie folgt definiert werden:

Der (Fern)Pilot / die (Fern)Pilotin ist…

  • “mit den Prinzipien der Aerodynamik vertraut,
  • Besitzt die Fähigkeit, das Luftfahrzeug kompetent und genau zu steuern, sowohl am Boden als auch in der Luft, und
  • Verfügt über ein gutes Urteilsvermögen, das einen sicheren und effizienten Betrieb garantiert.”

Umgangsssprachlich ist „Good Airmanship” also das, was aus einem Piloten / einer Pilotin einen „guten Piloten“ / eine „gute Pilotin“ macht. Obwohl der Betrieb von kleinen unbemannten Luftfahrzeugen häufig recht gefahrlos aussehen mag, birgt er dennoch gefahren – einerseits für Menschen und Dinge am Boden, andererseits für weitere Verkehrsteilnehmer*innen im Luftraum.

Die Aufgabe eines guten Piloten und einer guten Pilotin ist es dementsprechend, Risiken zu erkennen und soweit wie möglich zu minimieren." Quelle: LBA

Für Viele, die bisher keine oder nur geringe Kontakte zur Luftfahrt hatten, ein Begriff, der aus meiner Sicht etwas mehr Erklärung bedarf.

Was versteht man in der Luftfahrt unter diesem Begriff und wie ist der Bezug auf die unbemannte Luftfahrt herzuleiten?

Airmanship ist mehr als nur Fähigkeiten und Wissen um Risiken, Entscheidungsfindungen und Humanfaktoren, welche auf die bemannte Luftfahrt angewendet werden, ähnlich wie in der Seefahrt. Airmanship deckt ein breites Spektrum wünschenswerter Verhaltensweisen, Fähigkeiten und Erwartungen an einen Fernpiloten (m/w/d) ab. Es ist nicht nur ein Maß für Geschicklichkeit oder Technik, sondern auch ein Maß für das Bewusstsein eines Fernpiloten für das UAV, die Umgebung, in der es operiert, und für seine eigenen Fähigkeiten. Also genau das und noch etwas mehr, was das LBA auf seinen Schulungsseiten im Modul Luftrecht 4 aufzeigt und das BMVI in seinem Schreiben vom 14.12.2020 zur Privilegierung der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben ausführt.

Wie lässt sich der Begriff des Airmanship aber nun beschreiben?

Beginnen möchte ich dazu mit der Definition des Begriffs Luftfahrt, wie durch die US-Luftfahrtbehörde FAA festgelegt und veröffentlicht.

  • fundierte Kenntnis der Prinzipien des Fliegens,
  • die Fähigkeit, ein Flugzeug mit Kompetenz und Präzision sowohl am Boden als auch in der Luft zu betreiben, sowie
  • ein fundiertes Urteilsvermögen, das zu optimaler Betriebssicherheit und Effizienz führt.

Um sich dem Begriff des Airmanship noch mehr zu nähern, hilft auch ein, auf einem NATO-Forschungs- und Ausbildungssymposium über Human Factors, vorgestelltes Dokument, das die bemannte Luftfahrt als "einen persönlichen Zustand, der es der Besatzung ermöglicht, ein gesundes Urteilsvermögen zu praktizieren, kompromisslose Flugdisziplin zu zeigen und eine geschickte Kontrolle über ein Flugzeug und eine Situation zu demonstrieren.  Kontinuierliche Selbstverbesserung und der Wunsch, jederzeit eine optimale Leistung zu erbringen. ", beschreibt und definiert.

Die drei Grundprinzipien der professionellen Luftfahrt sind dabei

  • Geschicklichkeit,
  • Kompetenz und
  • Disziplin,

welche sicher und effizient anzuwenden sind. Disziplin ist das Fundament der Luftfahrt. Die Komplexität der Luftfahrtumgebung erfordert eine solide Flugkunst und einen gesunden, positiven Ansatz zur Vermeidung von Fehlern. Genau diese Grundprinzipien lassen sich auch in den Ausführungen des LBA zum Modul Luftrecht 4 erkennen. Die Komplexität des dreidimensionalen Raumes, seiner physischen Eigenschaften (besonders über Einsatzstellen), der unterschiedlichen Regularien und der weiteren (vorrangigen) Teilnehmer am Luftverkehr deuten auf eine Ausbildung, die weit über das Maß eines A1/A3-Kompetenznachweises hinausgeht. Ohne eine solide praktische Ausbildung und das Wissen über die Komplexität des Bewegungsraumes entwickelt sich kein Bewusstsein für die Risiken und Gefahren, geschweige denn die damit einhergehende Entscheidungsfindung.

Nimmt man jetzt die Definition der FAA zur bemannten Luftfahrt und bezieht diese auf die unbemannte Luftfahrt, so lassen sich folgende Erwartungen definieren:


  • fundierte Kenntnis der Prinzipien des Fliegens von UAV
  • die Fähigkeit, ein UAV mit Kompetenz und Präzision sowohl am Boden als auch in der Luft zu betreiben, sowie
  • ein fundiertes Urteilsvermögen in der Bewertung der Risiken und Gefährdungen, das zu optimaler Betriebssicherheit und Effizienz führt.


Nicht ohne Weiteres spricht deshalb auch das Luftfahrtbundesamt in seinen Schulungsunterlagen von 'Sicherer Betrieb und Verantwortlichkeiten'.

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